March for Europe 2017 – May the European Force be with you

March-for-Europe-Rome

March for Europe – Demo der Europäer

ROM – 25. März 2017 March for Europe: Anlässlich des 60sten Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957 feiern über 6000 Menschen Europa

Es ist perfekt: Frühling, Sonne, Italien. Was will man mehr. Auf der Piazza Bocca della Verità trudeln langsam die Menschen ein. Viele haben Fahnen und Schilder mitgebracht, diejenigen die ohne angereist sind, werden von den Organisatoren mit dem nötigen Demoequipment versorgt. Von der noch leeren Bühne dröhnt Gute-Laune-Musik und die Umherstehenden nutzen die Gelegenheit sich auszutauschen. Es geht um Europa.

Marche for Europe in Rome 2017 Foto

Demonstration March for Europe in Rom

Anti Brexit – Pro Europa

Demonstranten-March-For-Europe

March for Europe – Deutsch-Engländerin Helena und Pernelle aus Frankreich

Der Brexit ist dominantes Thema. Ich treffe Helena (20). Sie hat einen deutschen und einen britischen Pass, studiert Jura in München und absolviert gerade ihr Erasmus-Semester in Italien. Was genau der Brexit bedeuten wird und wie sich die Folgen des kommenden Austritts auch auf ihr Leben auswirken werden, weiß sie noch nicht. Um sich persönlich macht sie sich jedoch keine Sorgen. Die Hälfte ihrer Familie jedoch besitzt nur eine Staatsangehörigkeit und hat somit keine Wahl. „Meine Familie steht absolut nicht hinter der Brexit-Politik“, erzählt sie „Es bricht mir das Herz zu sehen, wie die Errungenschaften der Europäischen Union für die kommende Generation verspielt werden.“

March for Europe Anti-Brexit-EU-Brexit

No to Brexit

Sie ist eine von den 48%, die gegen den Brexit gestimmt haben und sich um ihre Zukunft betrogen fühlen – und sie ist nicht die Einzige. Eine ganze Delegation von Anti- Brexiteers ist nach Rom gereist, um ihre Zugehörigkeit zu Europa zu demonstrieren. „Europa bedeutet Einheit und Frieden. Wir haben viel mehr gemeinsam als uns trennt. Wir fühlen uns als Europäer – wir sind Europäer !“, erklärt mir eine Schottin, die extra für diese Veranstaltung nach Rom gereist ist. Ein anderer Demonstrationsteilnehmer, Neil, erzählte mir, dass 2014 alle seine Bekannten beim schottischen Referendum über eine mögliche Unabhängigkeit für den Verbleib in Großbritannien gestimmt haben. Jetzt sieht die Situation jedoch vollkommen anders aus und ihre Hoffnungen liegen alle auf Nicola Sturgeon und einem eventuellen, erneuten Referendum.

Mehr Europa: Europäische Föderalisten und Stand up for Europe

Die Demonstration Marsch für Europa 2017 ist eine durchweg positive Veranstaltung. Die Menschen hier sind weit entfernt davon wütend und unzufrieden zu sein. Dennoch ist auch hier allen klar: Rund läuft es nicht für die Europäische Union. Es gibt viele Baustellen, am häufigsten werden die Probleme in der Finanz- und Migrationspolitik genannt, auch der Brexit und rechte Demagogen sind ein Thema. Doch im Gegensatz zu vielen Kritikern wird hier die Frage, was die Europäische Union besser machen sollte, sehr eindeutig beantwortet: Wir brauchen mehr Europa – mehr Kooperation und engere Zusammenarbeit.

Mitglieder-Union-Europäischer-Föderalisten

Claudio und Allessandro von der Unione dei Federalisti Europei

Einer der Hauptveranstalter des March for Europe ist die Union Europäischer Föderalisten und deren Jugendorganisation. Ihre weißen Fahnen mit dem grünen E bestimmen, zusammen mit den Europafahnen, das Bild dieser Kundgebung. Sie sind aus vielen Ländern angereist, ich kann Vertreter aus Österreich, Ungarn, Italien, Frankreich, der Ukraine, Belgien und Italien ausmachen. Sie verstehen sich als die Erben der Paneuropäischen Bewegung von Koudenhove-Kalerghi und arbeiten auf eine voranschreitende europäische Integration hin, dessen Ziel ein föderaler Staat ist. Das ist auch der Grund, warum Claudio (66) und Alessandro (67) nach Rom gekommen sind. Auch sie sehen, dass Europa Schwierigkeiten hat. Statt jedoch eine Rückkehr zum Nationalstaat zu fordern, wollen sie mehr europäische Einigung bis hin zu den Vereinigten Staaten von Europa.

Sie haben gute Argumente. Die europäische Politik konnte nur verspätet auf die Finanzkrise von 2008 reagieren und zeigte sich weit entfernt von einer effektiv handelnden Einheit. Das harte Ringen zwischen Europäischer Kommission, Zentralbank und Internationalem Währungsfond endete in der Austeritätspolitik, die die beiden Venetianer besonders kritisch betrachten. Die Föderalisten stehen für ein Europa der Solidarität und wollen so die Spaltung zwischen Ost und West, Nord und Süd aufhalten.

Ähnliche Ziele hat auch die Bewegung Stand up for Europe. Hier wird ein gemeinsames Budget innerhalb einer gemeinsamen Haushaltspolitik gefordert, was als natürliche Ergänzung der schon existierenden gemeinsamen Währung dient. Ein Vereinigtes Europa in den Bereichen von Bildung, Gesundheit, Verteidigung und den Sozialsystemen ist für sie das Mittel für eine bessere Integration und gegen ein Auseinanderdriften verschiedener Europas.

Forderungen-MARCH FOR EUROPE

Europa der Solidarität

Euroskeptizismus und Nationalismus

Anti-EU-Demo-

Anti-EU Demonstration in Rom

In Rom zeigte sich aber auch, dass die europäischen Polykrisen der vergangenen Jahre nicht durchweg mit einer optimistischen und proeuropäischen Haltung beantwortet werden. Vier von fünf Demonstationen präsentierten sich euroskeptisch, darunter die Kommunistische Partei Italiens, der scharze Block und eine Allianz von verschiedenen rechten Parteien und Gruppierungen, wie etwa dem Movimento Nationale.

Den Diskurs nicht den Rechten überlassen

Nach dem Brexit-Schock, der Wahl Trumps und einer Türkei im Demokratieabbau ist Vielen klargeworden, dass ein friedliches und gemeinschaftliches Europa nichts selbstverständlich Gegebenes ist. Politik ist keine Dienstleistung und wer für eine demokratische und freie Gesellschaft ist, muss für sie einstehen und sie gestalten. Es sind diese Errungenschaften und Werte, die man bisweilen mit demokratischen Mitteln verteidigen muss und das geschieht auch hier in Rom, auf dem March for Europe, durch diese engagierten Menschen.

Europe Flag

Young Federalists

Europanerds und Berufseuropäer

Eines muss man in dem Bericht über die Europaparty in Rom auch klar erwähnen: Hier versammelten sich die, die Europa nah sind. Sie sind Parteimitglieder, sind Föderalisten oder Unterstützer proeuropäischer Organisationen. EU-Politiker unterstützten die Veranstaltung, Beschäftigte der Kommission, Erasmusstudenten. Das Bildungsniveau ist hoch, alle sind äußerst informiert und keiner hat Zweifel oder muss gar überzeugt werden. Debattiert wird über ein Europa verschiedener Geschwindigkeiten oder wie man EU-Themen besser an die Menschen bringen kann. Doch im Gegensatz zu der zögerlichen Unterzeichnung der Erklärung von Rom durch die 27 Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten, wissen die Menschen hier genau was sie wollen: mehr Europa. Ein besseres, einiges und solidarisches – ein gemeinsames Europa.